Du hältst eine Tasse Tee in der Hand, und als du das nächste Mal hineinschaust, ist sie leer. Geschmeckt hast du davon kaum etwas. Der Kopf war bei der Nachricht von vorhin, bei dem Termin morgen und bei der Frage, ob du noch an etwas denken musst.
In den Kursen sehe ich das jede Woche. Jemand kommt zur Tür herein, der Körper ist sozusagen schon da und der Kopf sitzt noch im Büro. Meist braucht es ein paar Minuten auf der Matte, bis beides zusammenfindet. Wenn es so weit ist, verändert sich etwas im Gesicht, es wird weicher.
Unser Wochenthema heißt Präsent sein, im Moment sein, mit Anmut.
Wo dein Kopf die meiste Zeit verbringt
Forschende der Harvard-Universität haben mit einer Smartphone-App tausende Erwachsene mehrmals am Tag gefragt, woran sie gerade denken und wie es ihnen geht. In ungefähr der Hälfte der Momente waren die Gedanken nicht bei dem, was die Person gerade tat. Wer abgeschweift war, fühlte sich im Schnitt unglücklicher als jemand, dessen Aufmerksamkeit bei der Sache blieb und das galt auch dann, wenn die Gedanken bei etwas Angenehmem lagen.
Das Abschweifen hat seinen Sinn. Dein Kopf plant, ordnet Erlebtes und spielt Möglichkeiten durch. Zum Problem wird es, wenn es zum Dauerzustand wird. Genau das erlebe ich bei vielen, die zu uns kommen. Der Kopf läuft ständig zwischen Vergangenheit und Zukunft hin und her und der Moment, in dem das Leben tatsächlich stattfindet, wird zur Durchgangsstation.
Dein Körper lebt immer im Jetzt
Gedanken springen mühelos in das Gestern und das Morgen. Dein Körper atmet, spürt und bewegt sich ausschließlich in der Gegenwart. Der Atemzug von gestern ist vorbei, und der von morgen existiert noch nicht. Deshalb ist der Körper der verlässlichste Weg in den Moment.
Sobald du deine Aufmerksamkeit auf eine Empfindung richtest, etwa auf das Gewicht deiner Füße oder auf den Luftstrom an deinen Nasenflügeln, bekommt dein Kopf einen Anker im Jetzt. Dabei hilft ein ruhiges Nervensystem. Im Dauerstress richtet sich die Aufmerksamkeit nach außen und die innere Wahrnehmung wird leiser. Beruhigt sich dein Nervensystem, kommt das Spüren zurück, und Präsenz entsteht dann fast von selbst. Wie du über den Körper zu dir zurückfindest, erzähle ich auch in Folge 29 unseres Podcasts.
Was Anmut mit Präsenz zu tun hat
Anmut klingt altmodisch und ich mag das Wort gerade deshalb. Es beschreibt eine Bewegung, die genau so viel Kraft einsetzt wie nötig. Du siehst diese Mühelosigkeit, wenn du einer Katze beim Springen zuschaust oder einer Tänzerin bei einer langsamen Drehung. Sie entsteht, wenn Aufmerksamkeit und Körper zusammenarbeiten.
Im Alltag zeigt sich Anmut im Tempo. Wer drei Dinge gleichzeitig tut, bewegt sich mit Hast, die Schultern wandern nach oben und der Atem wird flach. Wer eine Sache tut und dabei ganz da ist, bewegt sich ruhiger und das sieht man auch von außen. Für mich gehört zur Anmut außerdem ein Wohlwollen dem Moment gegenüber. Der Tag ist vielleicht nicht gelaufen wie geplant, dann erlebst du dich selbst gerade nicht von deiner besten Seite. Präsent zu sein mit Anmut heißt, dir in genau diesem Augenblick freundlich zu begegnen.
Kleine Wege in den Moment
Der einfachste Einstieg ist die Türschwelle. Jedes Mal, wenn du durch eine Tür gehst, kannst du die Hand an die Klinke legen und einen Atemzug lang spüren, wie sich das Metall anfühlt. Das dauert etwa zehn Sekunden. Türen gibt es den ganzen Tag, vom Büro bis zur Wohnung und jede wird so zu einem kleinen Neustart.
Eine zweite Möglichkeit ist, eine Tätigkeit auszuwählen, die du ohnehin täglich machst, zum Beispiel die erste Tasse am Morgen oder das Händewaschen. Mache sie eine Woche lang ohne Handy und ohne Nebenbei. Du schmeckst, riechst und spürst die Wärme. Anfangs wandern die Gedanken ab, was ganz normal ist. Jedes Mal, wenn du es bemerkst und zurückkehrst, übst du Präsenz, so wie eine Wiederholung im Training.
Auch der Atem hilft dir beim Ankommen. Atme vier Sekunden lang ein und sechs Sekunden lang aus, fünf bis sechs Mal hintereinander. Die längere Ausatmung zeigt deinem Nervensystem, dass gerade alles in Ordnung ist und aus diesem Zustand fällt es dir leichter, im Moment zu bleiben.
Zwischendurch lohnt sich ein Blick nach unten. Spüre im Sitzen oder Stehen, wie deine Füße den Boden berühren und wie viel Gewicht sie gerade abgeben. Schon nach wenigen Atemzügen merkst du oft, dass dein Kopf nachgekommen ist.
Wo du Präsenz bei uns üben kannst
Unsere Kurse sind für dich da, wenn dein Körper belastet ist oder du dich innerlich erschöpft fühlst, auch wenn du dich in ein Fitnessstudio nicht trauen würdest. Du musst keine Vorerfahrung mitbringen.
Bei SoulFlow verbinden wir fließende Bewegung mit Atem und Entspannung. Du richtest die Aufmerksamkeit dorthin, wo du dich gerade spürst und lässt die Bewegung aus dem Atem entstehen. Es zählt allein, wie sich das für dich anfühlt, und deshalb ist SoulFlow ein guter Ort, um Anmut in der Bewegung zu erleben. Wir treffen uns mittwochs um 18:00 Uhr, du kannst vor Ort dabei sein oder per Livestream mitmachen.
Mind Body Pilates ist mein eigenes ganzheitlicheres Konzept. Wir arbeiten mit präzisen, kontrollierten Bewegungen im Rhythmus des Atems und deine Aufmerksamkeit bleibt bei jeder Wiederholung im Körper. Diese Verbindung von Kraft und Konzentration schult Präsenz ganz direkt. Der Kurs findet donnerstags um 18:00 Uhr statt, vor Ort oder online.
Am Freitag, 6. November, von 18:30 bis 20:00 Uhr gibt es den Regenerations-Abend als Sonderausgabe unter dem Titel “Zeit für dich”. Wir beginnen mit einer Kakaozeremonie, bei der du Duft, Geschmack und Wärme ganz bewusst erlebst. Dazu erklingen unsere neuen Kristallklangschalen, gestimmt auf 432 Hz und es folgen Atemarbeit und Tiefenentspannung mit ätherischen Ölen. Matten, Decken und Kissen sind vorbereitet, du bringst nur dich mit. Der Abend kostet 39 Euro und findet bei uns vor Ort statt.
Dein Impuls für diese Woche
Suche dir eine Türschwelle aus, die du ohnehin jeden Tag überschreitest, zum Beispiel deine Haustür oder die Tür zu deinem Büro. Bleibe dort jedes Mal einen Atemzug lang stehen, spüre den Boden unter deinen Füßen und atme langsam aus. Am Ende der Woche kannst du dich fragen, ob sich dein Ankommen verändert hat und wie sich der Moment nach der Tür jetzt anfühlt.
Häufige Fragen zum Präsent sein
Was bedeutet es, im Moment zu sein?
Du richtest deine Aufmerksamkeit auf das, was jetzt gerade geschieht, etwa auf deinen Atem, deine Bewegung oder das, was du gerade tust. Gedanken an Gestern und Morgen dürfen auftauchen, du kehrst danach einfach wieder zurück.
Wie lange dauert es, bis mir Präsenz leichter fällt?
Das ist individuell. Viele spüren schon nach einigen Tagen kleiner Übungen einen Unterschied, bei anderen entwickelt es sich über Wochen. Regelmäßige kurze Momente wirken besser als eine lange Übung, die du selten machst.
Ist Präsent sein dasselbe wie Meditieren?
Meditation ist eine Möglichkeit, Präsenz zu üben. Du kannst sie genauso beim Gehen, beim Abwaschen oder in der Bewegung üben und gerade Bewegung ist für viele ein leichterer Einstieg.
Was mache ich, wenn meine Gedanken ständig abschweifen?
Das gehört dazu und passiert jedem. Entscheidend ist der Moment, in dem du es bemerkst und zurückkehrst, denn genau das ist die Übung.
Welcher Kurs passt, wenn ich schwer zur Ruhe komme?
SoulFlow und der Regenerations-Abend sind ruhig und ohne Leistungsdruck. Mind Body Pilates passt, wenn du über kontrollierte Bewegung und Konzentration ankommen möchtest.
Wenn du unsicher bist, welcher Weg gerade zu dir passt, buche dir ein kostenloses, unverbindliches Kennenlerngesprächoder schau direkt in unsere Kursübersicht.
Von Herzen
Kathi




