Es gibt diesen Moment, in dem du ehrlich mit dir bist und merkst, dass du eigentlich gar nicht mehr weißt, wie es dir geht. Du könntest die Frage beantworten, wenn jemand sie stellt, aber die Antwort käme aus dem Kopf. „Gut, ein bisschen müde, viel um die Ohren.“ Das stimmt alles, aber es trifft nicht das, was du meinst.
Was viele Betroffene in dieser Situation beschreiben, klingt paradox: Man ist erschöpft, aber kann nicht loslassen. Man hat theoretisch Freizeit, aber kommt irgendwie nicht zur Ruhe. Man weiß, dass irgendetwas fehlt, kann es aber nicht benennen. Und man hat das Gefühl, sich selbst gegenüber irgendwie fremd geworden zu sein.
In unserer Arbeit begegnen wir diesem Muster sehr häufig, besonders bei Betroffenen, die seit Jahren viel leisten und sich dabei immer weiter nach hinten gestellt haben. Der Alltag hat sich gefüllt, die eigenen Bedürfnisse haben sich leise verabschiedet, und irgendwann war der Kontakt zu sich selbst so schwach geworden, dass man ihn kaum noch wahrnimmt.
Was im Körper passiert, wenn Dauerstress zur Normalität wird
Unser Nervensystem ist für Phasen von Anspannung und Entspannung gebaut, und wenn chronischer Stress über lange Zeit anhält, verändert sich die Art, wie wir uns selbst wahrnehmen. Der Sympathikus, also der Teil des Nervensystems, der uns in Alarmbereitschaft versetzt, bleibt auch dann aktiv, wenn eigentlich kein Druck mehr vorhanden ist. Das hat zur Folge, dass die Körperwahrnehmung, also das Gespür für Hunger, Erschöpfung, Freude, Unbehagen, nach und nach in den Hintergrund rückt.
Ein Körper im Dauerstress priorisiert Handlungsfähigkeit, und dafür zahlt man mit einem allmählich schwächer werdenden Kontakt zu sich selbst. Man hört die Signale noch, aber sie kommen gedämpfter an. Manchmal gar nicht mehr. Studien zeigen, dass chronischer Stress die Aktivität im interozeptiven System verringert, also dem System, das für die Wahrnehmung von Körperzuständen zuständig ist. Man verliert buchstäblich die Fähigkeit, auf sich zu hören, wenn man zu lange unter zu viel Druck steht, und das ist eine physiologische Reaktion, keine Frage von Disziplin.
Warum Urlaub allein den Knoten nicht löst
Viele Betroffene versuchen, diesen Zustand mit Urlaub, Wellnesswochenenden oder der Aussicht auf ruhigere Zeiten in den Griff zu bekommen. Was dann häufig passiert: Man kann trotzdem nicht abschalten, obwohl man doch eigentlich alles dafür getan hat. Der Urlaub geht vorbei, und man kommt genauso erschöpft zurück wie man gefahren ist.
Das Nervensystem programmiert sich durch eine andere Qualität der Erfahrung um, durch die aktive Erfahrung von Sicherheit, Bewegung und Körperkontakt. Man muss dem Nervensystem zeigen, dass es wieder sicher ist, sich zu entspannen, und das gelingt am besten durch eine regelmäßige, körperorientierte Praxis.
Was wirklich hilft: Kleine Brücken statt großer Gesten
Sich selbst spüren zu lernen ist etwas, das man einübt, durch sehr kleine, sehr konkrete Momente über Zeit.
Eine der wirksamsten Möglichkeiten ist bewusste Bewegung, bei der es um Wahrnehmung geht. Was passiert in meinem Körper, wenn ich mich so bewege? Wo ist Spannung? Was darf sich lösen? Das ist eine andere Qualität von Bewegung als Sport oder Training, und genau dieser Unterschied macht sie so wirksam für Menschen, die wieder in Kontakt mit sich kommen wollen.
Auch Atemarbeit kann dabei helfen. Der Atem ist das einzige vegetative System, das wir willentlich beeinflussen können, und er hat direkten Einfluss auf das Nervensystem. Bewusstes, langsames Atmen aktiviert den Parasympathikus und signalisiert dem Körper, dass kein Alarm notwendig ist. Wer einmal erlebt hat, wie schnell sich der Stresspegel durch ein paar ruhige Atemzüge verändert, versteht warum Norman in unseren Kursen immer wieder sagt, dass der Atem die direkteste Verbindung zu uns selbst ist.
Ergänzend dazu gibt es einige Mikronährstoffe, die das Nervensystem in Stressphasen unterstützen können. Magnesium wird bei chronischem Stress vermehrt verbraucht und trägt zur normalen Funktion des Nervensystems bei. Ashwagandha ist ein Adaptogen aus der ayurvedischen Medizin, das in einigen Studien positive Wirkungen auf stressbedingte Erschöpfung gezeigt hat. Rhodiola Rosea wird traditionell bei geistiger und körperlicher Erschöpfung eingesetzt.
Hinweis: Nahrungsergänzungsmittel ersetzen keine medizinische Behandlung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte ärztlichen oder heilpraktischen Rat einholen.
Magnesiumtropfen von Tausendkraut: Link
Ruhepol Ashwagandha von Naturtreu: Link
Rhodiola Extrakt von Tausendkraut: Link
Eine kurze Übung für heute Abend
Setz dich hin und leg eine Hand auf deinen Bauch. Atme einmal tief ein, ohne daran zu denken wie es „richtig“ geht, und lass die Luft dann von selbst wieder raus. Warte danach einen Moment und frag dich, was du körperlich wahrnimmst. Wärme, Enge, Weite, Schwere, Kribbeln. Lass es einfach da sein, was auch immer es ist, und schau es dir eine Weile an. Das ist der Anfang.
Wie wir dich bei Lebensleicht begleiten
Genau diesen Kontakt zu sich selbst aufzubauen ist das, worum es in unseren Kursen geht. In SoulFlow verbinden wir sanfte Bewegung mit Faszientraining und Entspannungstechniken, und der Fokus liegt immer darauf, was du in dir wahrnimmst. Mittwochs um 18 Uhr, vor Ort in Weil der Stadt und als Online-Kurs für 49 Euro im 6er-Paket.
In Wir atmen begleitet Norman mit bewusster Atemarbeit, die genau an dieser Schnittstelle zwischen Nervensystem und Selbstwahrnehmung ansetzt. Montagabends um 19:30 Uhr, vor Ort.
In Meditation & Klang schaffst du dir einmal pro Woche einen Raum, in dem du nichts tun musst außer ankommen. Montags um 18 Uhr, vor Ort in Weil der Stadt.
Wenn du dir unsicher bist, wo du anfangen sollst, hilft dir unser kurzes Quiz weiter. Und wer sich lieber direkt meldet, findet uns auf WhatsApp.
Außerdem passen diese Artikel gut dazu: Warum du dich nicht mehr hörst und Seelenmuskel: Wie Zwerchfell und Psoas mit Stress zusammenhängen.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, bis ich mich selbst wieder besser spüre? Das hängt sehr davon ab, wie lange der Zustand schon anhält und was du bereit bist, regelmäßig zu tun. Was ich aus meiner Praxis sagen kann: Wer einmal wöchentlich eine Stunde in körperorientierte Praxis investiert, bemerkt oft schon nach wenigen Wochen erste Veränderungen. Leise, aber spürbar.
Ich habe keine Erfahrung mit Yoga oder Atemarbeit. Ist das trotzdem etwas für mich? Gerade dann. Unsere Kurse sind so aufgebaut, dass du ohne Vorkenntnisse einsteigen kannst. Es geht darum anzufangen, dabei zu sein, zu spüren.
Was wenn ich zu erschöpft bin, um abends noch einen Kurs zu besuchen? Genau deshalb bieten wir unsere Kurse auch online an. Du kannst die Aufzeichnung vier Wochen lang schauen, wann immer es dir passt.
Gibt es einen Unterschied zwischen Erschöpfung und dem Verlust von Selbstwahrnehmung? Die beiden hängen zusammen, aber der Verlust von Selbstwahrnehmung ist oft das, was dazu führt, dass man Erschöpfung so lange übersieht. Wer kaum noch spürt wie es ihm geht, bemerkt erst sehr spät, dass er über seine Grenzen gegangen ist.
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