Glücksmomente im Alltag: Der kleine Körper-Check, der meinen Weg zurück zur Freude verändert hat

01.07.2026 | Allgemein, Heilsame Wege, Impulse für den Alltag, Lebensfreude spüren

Glücksmomente im Alltag

Es gibt einen Moment, den viele Frauen kennen, die mir in der Praxis gegenüber sitzen. Du hast das Dankbarkeitstagebuch aufgeschlagen. Der Stift liegt bereit. Du schreibst brav die drei Dinge auf: die Kinder, die Gesundheit, das Dach über dem Kopf. Alles davon stimmt. Alles davon ist wahr und trotzdem passiert innerlich nichts. Keine Wärme in der Brust. Kein Aufatmen. Lediglich ein Haken auf einer Liste.

Wenn du das kennst, dann geht es dir wie mir vor einigen Jahren.

Ich war damals in einer Phase, in der ich zwar alles hatte, wofür man dankbar sein sollte, aber innerlich war ich taub. Meine Mutter, die mich in dieser Zeit oft gesehen hat, sagte einen Satz zu mir, den ich bis heute nicht vergessen habe: „Kathi, du darfst einfach wieder lernen, Freude zu empfinden.“

Ich habe sie erst nicht verstanden. Ich sagte: „Aber Mama, ich freue mich doch. Über die Tiere. Über meinen Job.“ Sie schaute mich an und sagte, dass man es meinem Gesicht nicht mehr ansehe. Dass die Freude aus meinen Zügen verschwunden sei.

Das war der Moment, in dem ich verstanden habe, dass ich Freude nur noch aufzählen konnte. Fühlen konnte ich sie nicht mehr. Sie war irgendwo abgeschnitten worden, zwischen Kopf und Körper.

Warum Dankbarkeit manchmal einfach nicht ankommt

Ich habe damals auf Empfehlung einer Coachin angefangen, jeden Morgen drei Dinge zu benennen, für die ich dankbar bin. Wochenlang machte ich das und wochenlang veränderte sich nichts.

Erst später habe ich verstanden, warum. Ich habe die Dankbarkeit mit dem Verstand ausgesprochen, aber im Körper nicht zugelassen. Das ist ein Unterschied, den man nicht bemerkt, solange man nur mit dem Kopf lebt. Wenn du innerlich schon lange auf Notbetrieb läufst, dann ist Fühlen erst mal keine Erleichterung. Es ist eine Bedrohung.

Denn wenn du wieder anfängst zu fühlen, kommt nicht nur die Freude durch. Es kommt auch alles andere durch, was du in den letzten Jahren beiseite geschoben hast. Die Erschöpfung. Die Enttäuschung. Der alte Kummer. Und deshalb baut der Körper eine Art Sicherheitsschicht. Er fühlt lieber gar nichts, als alles auf einmal.

Der Körper will dich damit schützen.

Wenn du dich also fragst, warum das Dankbarkeitstagebuch bei dir nicht funktioniert, obwohl es bei allen anderen zu funktionieren scheint, dann liegt es fast nie daran, dass du es „falsch“ machst. Es liegt daran, dass dein Körper gerade noch nicht bereit ist, den Kanal zu öffnen.

Glück ist kein Fernziel

Ich habe in meiner Arbeit gelernt, dass die meisten Menschen das Wort „glücklich“ mit einem großen Zustand verbinden. Etwas, das man erreicht. Ein Ziel. Wenn die Kinder aus dem Haus sind. Wenn die Diagnose gut ausfällt. Wenn der Job endlich wieder Sinn ergibt.

Das ist eine harte Position, weil sie das Glück immer in die Zukunft schiebt und weil die Zukunft nie ganz eintrifft. Diese Wenn-Dann-Spirale, die viele kennen.

In der Therapie sprechen wir von Nahzielen, Mittelzielen, Fernzielen. Ein glückliches Leben ist für die meisten ein Fernziel. Das Problem: Zwischen dem heutigen Tag und diesem Fernziel fehlen die Nahziele. Die kleinen Verbindungspunkte. Die Momente, die zeigen, dass du unterwegs bist.

Glücksmomente im Alltag sind genau diese Verbindungspunkte. Sie führen dich nicht zum Glück. Sie sind das Glück, in kleiner Form, aber du erkennst sie nur, wenn du wieder in dir bist.

Der Körper-Check am Abend

Ich möchte dir eine Übung zeigen, die für mich zum Wendepunkt geworden ist. Sie ist so klein, dass sie fast lächerlich wirkt und genau deshalb funktioniert sie.

Am Abend, bevor du einschläfst, halte einmal inne. Schließ die Augen. Atme drei Mal ruhig ein und aus, ohne den Atem zu verändern und dann stelle dir innerlich eine einzige Frage: „Wie geht es dir heute?“

Nicht deinem Tag, sondern Dir.

Und dann warte.

Am Anfang wirst du wahrscheinlich nichts fühlen, oder du bemerkst deinen Herzschlag. Vielleicht eine Schwere in den Schulterblättern. Eine Enge im Kiefer. Vielleicht Wärme im Bauch. Vielleicht auch nur Stille.

Das genügt.

Es geht nicht darum, sofort ein tiefes Gefühl zu haben. Es geht darum, dass du dich wieder fragst, dass du dir wieder zuhörst, dass du deinem Körper wieder ein Signal gibst: Ich bin da. Ich nehme dich wahr.

Ich habe diese Übung selbst über Wochen gemacht, bevor sich etwas verändert hat und dann kam ein Abend, an dem ich beim Nachspüren zum ersten Mal wieder etwas ähnlich wie Freude im Brustkorb bemerkt habe. Ganz zart. Fast schüchtern, aber sie war da.

Was das mit deinem Nervensystem macht

Wenn du regelmäßig innehältst und dich spürst, passiert etwas Körperliches. Dein Nervensystem verschiebt sich langsam vom Sympathikus (dem Aktivierungsmodus) zum Parasympathikus (dem Erholungsmodus). Das ist der Modus, in dem dein Körper regeneriert, verdaut, heilt.

Wenn du jahrelang im Aktivierungsmodus lebst, sinkt die Cortisol-Produktion nicht mehr richtig ab. Du schläfst schlechter. Deine Verdauung wird träge. Dein Immunsystem wird empfindlicher und das Fühlen wird weniger, weil dein Körper einfach keine Kapazität dafür hat.

Der Körper-Check am Abend ist also nicht nur „schön“ oder „achtsam“. Er ist ein neurologisches Signal, dass die Notlage vorbei ist und der Körper wieder herunterfahren darf.

Kleine Begleiter für den Übergang

Ich werde in der Praxis oft gefragt, ob es Pflanzenkräfte gibt, die diesen Übergang unterstützen können, gerade wenn das Nervensystem lange überreizt war. Ich arbeite selbst gerne mit ein paar Klassikern aus der Naturheilkunde:

Ashwagandha (Ruhepol von Naturtreu) ist ein Adaptogen, das traditionell bei innerer Unruhe und erschöpfter Belastbarkeit eingesetzt wird. Ich mag Ashwagandha, weil er nicht sediert, sondern die Belastbarkeit über Wochen sanft erhöht. Bei mir persönlich hat er in einer sehr fordernden Phase geholfen, abends leichter herunterzukommen. → Ruhepol Ashwagandha ansehen*

Ätherische Öle sind für mich die schnellste Möglichkeit, den Körper-Check zu vertiefen. Ein Tropfen Lavendel auf das Handgelenk vor dem Innehalten, kurz einatmen, und der Körper weiß sofort, was jetzt kommt. Ich nutze die Oshadhi-Öle, weil sie in therapeutischer Qualität hergestellt werden. → Lavendel bei Oshadhi

Hinweis nach Heilmittelwerbegesetz: Nahrungsergänzungsmittel und ätherische Öle sind keine Arzneimittel und ersetzen keine ärztliche oder heilpraktische Beratung. Die Empfehlungen basieren auf meiner Erfahrung in der eigenen Praxis. Sprich bei bestehenden Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme vorher mit einem Fachmenschen.

Wenn du das nicht allein üben willst

Ich weiß, wie schwer es sein kann, allein damit anzufangen. Der Kopf ist laut. Der Alltag zieht dich sofort wieder mit. Und das Innehalten braucht einen Rahmen, der stärker ist als das Ziehen von außen.

Wenn du in Weil der Stadt oder im Heckengäu wohnst, lade ich dich zu unserem Regenerationsabend in unserer Akademie in der Merklinger Straße ein. Jeden ersten Freitag im Monat, 90 Minuten. Wir starten mit einer Teezeremonie, arbeiten dann mit Atem und Klangschalen, und du gehst mit einem Nervensystem nach Hause, das sich an Ruhe wieder erinnert.

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Wenn du regelmäßig üben willst, sind unsere wöchentlichen Kurse SoulFlow (Yoga und Faszien) und Meditation & Klang genau darauf ausgerichtet. Beide integrieren den Körper-Check als festes Element.

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Häufige Fragen zu Glücksmomenten im Alltag

Warum funktioniert Dankbarkeit bei mir nicht?
Meistens liegt es daran, dass du die Dankbarkeit mit dem Verstand aussprichst, ohne dass der Körper mitschwingen kann. Das ist ein Schutzmechanismus, kein Fehler. Der Körper-Check öffnet den Weg langsam wieder.

Wie lange dauert es, bis ich Freude wieder fühle?
Bei mir waren es einige Wochen. Bei manchen Frauen in meiner Praxis waren es Tage, bei anderen Monate. Das hängt davon ab, wie lange dein System schon im Notmodus läuft. Wichtig ist, nicht die Freude zu erzwingen, sondern erst das Spüren zuzulassen.

Muss ich meditieren, um das zu lernen?
Nein. Der Körper-Check ist keine Meditation. Er dauert 30 Sekunden bis zwei Minuten und lässt sich in jeden Alltag einbauen, auch beim Zähneputzen oder im Auto vor dem Aussteigen.

Was ist der Unterschied zu toxischer Positivität?
Toxische Positivität sagt: „Sei doch dankbar, es geht dir doch gut.“ Sie überklebt echte Gefühle. Der Körper-Check macht das Gegenteil. Er lässt zuerst das da sein, was da ist. Freude darf kommen, muss aber nicht!

Ein leiser Anfang

Wenn du bis hierher gelesen hast, dann trägst du wahrscheinlich schon länger die Sehnsucht in dir, dich wieder zu spüren. Und du hast auch schon einiges probiert, was nicht funktioniert hat.

Das ist okay. Das war bei mir auch so.

Fang heute Abend klein an. Eine Frage an dich selbst. Ein tiefer Atemzug. Ein Innehalten, bevor du das Licht ausmachst.

Das ist der Anfang. Und der Anfang reicht.

Von Herzen,
Kathi

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