Morgens laufe ich mit den Hunden los, noch bevor der Kopf die erste Liste angelegt hat. Der Himmel färbt sich in allen Farben, irgendwo leuchtet eine rote Hagebutte am Wegrand und etwas in mir wird ruhiger, ohne dass ich etwas dafür tun müsste.
Wenn es mir nicht gut geht, suche ich mir eine Kiefer. Ich bleibe stehen und schaue nach oben. Unten das Braun des Stamms, darüber das Grün der Nadeln und dazwischen ein Stück blauer Himmel. Nach ein paar Atemzügen merke ich, wie sich mein Kiefer löst und die Schultern sinken. Mein Nervensystem reguliert sich, und das hat gute Gründe.
In Folge 30 unseres Lebensleicht Podcasts erzähle ich dir, was ich in der Natur über den Körper gelernt habe. Dieser Artikel ergänzt die Folge und zeigt dir, wie du diese Verbindung im Alltag lebendig hältst.
Was in deinem Körper arbeitet, hat draußen ein Gegenstück
Je länger ich Menschen in meiner Praxis begleite, desto mehr fällt mir auf, wie sehr sich die Bilder gleichen. Dein Körper folgt Mustern, die du draußen überall wiederfindest.
Deine Blutgefäße verzweigen sich wie ein Flusssystem. Fließt das Wasser frei, bleibt alles in Bewegung. Staut es sich irgendwo, verändert sich die Umgebung und das gilt im Bach genauso wie in deinem Gewebe. Die Bronchien in deiner Lunge verästeln sich wie die Krone eines Baumes, mit den kleinen Lungenbläschen als Blättern am Ende. Dazu passt, dass Bäume den Sauerstoff abgeben, den du einatmest, während du ihnen das Kohlendioxid zurückschenkst.
Dein Darm erinnert mich an das Pilznetzwerk unter dem Waldboden. Dort wie hier lebt eine riesige Gemeinschaft von Mikroorganismen, die Stoffe umwandelt, vermittelt und den Boden für alles Weitere bereitet. Beim Darm ist dieser Boden die Grundlage für dein Immunsystem. Leber und Nieren arbeiten wie ein Moor, das Wasser filtert und reinigt, und deine Haut zeigt oft früh, wenn diese Klärwerke überlastet sind.
Ich verstehe diese Vergleiche als Bilder, die den Blick öffnen und weiten. Wer sie einmal gesehen hat, geht mit anderen Augen durch den Wald und liest den eigenen Körper wohlwollender.
Warum dir die Natur so guttut
Dass ein Waldspaziergang entspannt, kennst du wahrscheinlich aus eigener Erfahrung. Dazu gibt es inzwischen einiges an Forschung. Studien zum sogenannten Waldbaden deuten darauf hin, dass der Aufenthalt zwischen Bäumen Stresshormone senken und den Blutdruck beruhigen kann. Die genauen Mechanismen sind noch nicht vollständig geklärt, und doch passt das Ergebnis zu dem, was ich selbst und viele in meinen Kursen erleben.
Ein Grund liegt in der Art der Reize. Der Alltag überflutet dich mit schnellen, harten Impulsen wie Benachrichtigungen, Bildschirmen und Gesprächen, die sofort eine Antwort verlangen. Die Natur bietet weiche, wiederkehrende Eindrücke an, etwa Blätter im Wind, Wasser oder wechselndes Licht. Dein Blick darf wandern, ohne etwas erledigen zu müssen, und dein Nervensystem bekommt das Signal, dass gerade keine Gefahr droht.
Dazu kommt die Bewegung. Beim Gehen im Freien schwingen deine Arme mit, dein Atem findet seinen eigenen Rhythmus, und die Augen schauen in die Ferne statt auf einen Bildschirm in Armlänge. Alles zusammen verschiebt dich vom Alarmmodus in einen Zustand, in dem Erholung wieder möglich wird.
Wer dauerhaft im Sommer lebt, dem fehlt der Winter
Eine Geschichte aus der Folge liegt mir besonders am Herzen. Mit Anfang dreißig lebte ich unter extremem Stress und irgendwann hat mein Körper seinen Rhythmus ausgesetzt. Ich hatte mich über lange Zeit verausgabt und meine natürlichen Phasen übergangen. Für mich war das der Moment, in dem ich verstanden habe, wie klug die Natur ihre Zeiten verteilt.
Kein Baum versucht, das ganze Jahr über Früchte zu tragen. Im Herbst zieht er sich zurück, im Winter sammelt er Kraft in den Wurzeln und im Frühling beginnt er neu. Wir wollen oft das ganze Jahr im Sommer leben, mit voller Leistung, langen Tagen und einem Kalender, der keine Lücke kennt. Irgendwann meldet sich der Körper und holt sich den Winter, den wir ihm vorenthalten haben.
Gerade jetzt im Oktober lohnt sich deshalb eine ehrliche Frage. Welche Jahreszeit lebst du gerade in deinem Körper und welche steht in deinem Kalender? Wenn dein Körper längst im Herbst angekommen ist und dein Kalender noch auf Hochsommer steht, zeigt sich oft der Grund für die Müdigkeit, die du seit Wochen mit dir herumträgst.
Dein Körper reguliert sich selbst
Ein weiterer Gedanke aus der Folge handelt von der Homöostase. Dein Körper strebt ständig nach Gleichgewicht. Er hält die Temperatur, den Blutzucker und den Flüssigkeitshaushalt in einem engen Bereich und gleicht Schwankungen aus, meist ohne dass du etwas davon bemerkst. Auch das Fieber gehört dazu. Es ist eine Reaktion deines Körpers, mit der er seine Abwehr unterstützt und sie verdient Respekt statt reflexhafter Unterdrückung. Bei hohem oder anhaltendem Fieber gehört die Ursache natürlich in fachliche Hände.
Diese Selbstregulation braucht Bedingungen, in denen sie arbeiten kann. Dazu zählen Schlaf, Ruhe, Bewegung und ein Alltag, der dem Körper Zeit lässt. Die Natur zeigt dir dieses Prinzip jeden Tag. Ein Wald plant nicht, er reguliert sich über Jahrhunderte selbst, solange man ihn lässt.
Wo du die Natur bei uns im Körper spürst
Auch wenn unsere Kurse drinnen stattfinden, drehen sie sich um genau diese Verbindung.
Bei SoulFlow am Mittwoch um 18:00 Uhr bewegen wir uns fließend, mit Yoga, Faszienarbeit und Entspannung. Der Atem folgt dem Rhythmus der Bewegung wie der Wind den Ästen. Du kannst vor Ort dabei sein oder online mitmachen.
Bei Mind Body Pilates am Donnerstag um 18:00 Uhr arbeiten wir mit sanfter Kräftigung und ohne Leistungsdruck. Du stärkst deine Mitte so, wie ein Baum seine Wurzeln stärkt, nämlich langsam und von innen. Auch hier kannst du vor Ort oder online dabei sein.
Am Freitag, 6. November, findet der Regenerations-Abend als Sonderausgabe unter dem Titel “Zeit für dich” statt, von 18:30 bis 20:00 Uhr bei uns vor Ort. Statt der Teezeremonie gibt es dieses Mal eine Kakaozeremonie, und auch dieses Mal erklingen sieben Kristallklangschalen, gestimmt auf 432 Hz. Dazu kommen Atemarbeit und Tiefenentspannung mit ätherischen Ölen. Matten, Decken, Kissen und alles Weitere sind vorbereitet, und du bringst nur dich mit. Der Abend kostet 39 Euro.
Häufige Fragen zu Naturverbundenheit
Wie viel Zeit in der Natur brauche ich, damit es mir guttut?
Schon zehn bis zwanzig Minuten im Grünen können spürbar entspannen. Regelmäßigkeit wirkt besser als ein einzelner langer Ausflug und ein Park oder ein Baum am Straßenrand zählen ebenfalls.
Was mache ich, wenn ich kaum Zeit habe oder in der Stadt wohne?
Such dir einen festen Baum auf deinem Weg und bleib dort einen Moment stehen. Auch der Blick aus dem Fenster in den Himmel oder in eine Baumkrone kann dein Nervensystem beruhigen.
Wie hängen Natur und Nervensystem zusammen?
Natürliche Reize sind weich und gleichmäßig, und sie fordern keine Reaktion von dir. Dein Körper darf aus dem Alarmmodus herunterschalten, Atmung, Herzschlag und Muskelspannung beruhigen sich.
Welcher Kurs passt zum Thema Naturverbundenheit?
SoulFlow verbindet fließende Bewegung mit Atem und Entspannung. Der Regenerations-Abend ist die tiefste Form der Erholung, die wir anbieten, und Mind Body Pilates passt, wenn du Lust auf kräftigende Körperarbeit hast.
Dein Impuls für diese Woche
Such dir in den nächsten Tagen einen Baum, der dich anspricht. Du brauchst dafür keinen Wald, ein einzelner Baum an deinem Weg reicht. Bleib dort fünf Minuten stehen, lege die Hand an den Stamm und schau langsam nach oben, vom Braun der Rinde über das Grün der Blätter bis zum Himmel dahinter. Atme dabei so, wie es sich gut anfühlt. Danach frage dich, welche Jahreszeit dein Körper gerade lebt und was er von dir braucht, um in ihr anzukommen.
Wenn du unsicher bist, welcher Weg gerade zu dir passt, buche dir ein kostenloses, unverbindliches Kennenlerngespräch oder schau direkt in unsere Kursübersicht.
Von Herzen
Kathi




