Warum „Ja, muss halt“ die neue Depression ist

08.01.2026 | Allgemein, Erschöpfung verstehen, Heilsame Wege, Impulse für den Alltag

Warum „Ja, muss halt“ die neue Depression ist

„Wie geht’s dir?“

„Ja, gut. Muss halt.“

Oder: „Es geht.“

Oder: „Läuft.“

Kennst du das?

Diese Automatik-Antworten. Die rauskommen, ohne dass du nachdenkst.

Die eigentlich nichts sagen. Außer: „Lass mich in Ruhe mit dieser Frage.“

Die Antworten, die keine sind

„Gut“ bedeutet nicht gut.

„Muss halt“ bedeutet: Ich halte durch, aber es ist hart.

„Es geht“ bedeutet: Es geht gerade noch so, aber ich bin am Limit.

„Läuft“ bedeutet: Ich funktioniere noch, aber mehr auch nicht.

Wann hast du das letzte Mal ehrlich auf diese Frage geantwortet?

Wann hast du das letzte Mal gesagt:

„Ehrlich? Ich bin erschöpft.“

„Ich weiß es nicht.“

„Schlecht, eigentlich.“ Wobei „eigentlich“ ja auch schon wieder die Schwester von „Mist“ ist.

Jedenfalls vermutlich ist das lange her.

Weil wir das nicht sagen. Weil das nicht geht.

Weil die andere Person ja auch nur höflich fragt. Die will keine ehrliche Antwort.

Also sagen wir: „Gut. Muss halt.“

Der Satz, der alles sagt

„Muss halt.“

Zwei Worte. Die unser ganzes Leben zusammenfassen.

  • Die Arbeit? Muss halt.
  • Die Familie? Muss halt.
  • Der ganze Tag? Muss halt.
  • Das Leben? Muss halt.

Aber hör dir diesen Satz mal wirklich an.

„Muss halt.“

Das ist Resignation.

Das ist: „Ich habe keine Wahl.“

Das ist: „So ist das eben.“

Das ist: „Ich füge mich.“

Das ist keine Lebensfreude. Das ist Durchhalten.

Wenn „Es geht“ deine Höchstform ist

Stell dir vor, du würdest morgens aufwachen und denken:

„Es geht.“

Nicht: „Ich freue mich auf heute.“

Nicht: „Ich bin gespannt, was kommt.“

Sondern: „Es geht.“

Das ist dein Maßstab geworden.

Nicht mehr „gut“ oder „glücklich“ oder „erfüllt“.

Sondern „es geht noch.“

„Ich halte noch durch.“

„Ich schaffe das noch.“

Und das soll Leben sein?

Die stille Epidemie

Früher dachten wir, Depression sieht so aus:

Nicht aufstehen können. Im Bett liegen. Weinen.

Aber die neue Depression sieht anders aus:

Sie steht auf. Sie funktioniert. Sie lächelt.

Und sagt: „Ja, gut. Muss halt.“

Sie geht zur Arbeit.

Sie erledigt die To-Dos.

Sie kümmert sich um alles und jeden.

Aber innen? Innen ist nichts mehr.

Keine Freude, keine Energie und fehlende Leichtigkeit.

Nur noch: „Es geht. Muss halt.“

Der Unterschied zwischen durchhalten und leben

Durchhalten bedeutet:

  • Jeden Tag aufstehen, weil es sein muss
  • Funktionieren, weil andere dich brauchen
  • Weitermachen, weil Aufhören keine Option ist
  • Überleben, nicht leben

Leben bedeutet:

  • Aufstehen, weil du dich auf etwas freust
  • Tun, was dir wichtig ist – nicht nur, was getan werden muss
  • Spüren, dass du da bist – nicht nur existierst
  • Momente, die sich echt anfühlen

Siehst du den Unterschied?

Wann hast du das letzte Mal wirklich gelebt?

Nicht nur funktioniert. Nicht nur durchgehalten.

Sondern gelebt?

Was wir wirklich meinen

„Wie geht’s dir?“

„Gut.“

Übersetzung: „Ich funktioniere noch.“

„Es geht.“

Übersetzung: „Ich bin am Limit, aber ich halte durch.“

„Muss halt.“

Übersetzung: „Ich habe keine Wahl. Ich muss weitermachen.“

„Läuft.“

Übersetzung: „Ich habe aufgehört zu erwarten, dass es besser wird.“

Das sind keine Antworten. Das sind Überlebensstrategien.

Die Falle, in der wir alle stecken

Niemand hat dir beigebracht, dass Leben mehr ist als Durchhalten.

Niemand hat dir gesagt, dass „muss halt“ nicht normal ist.

Niemand hat dir die Erlaubnis gegeben, aufzuhören zu funktionieren.

Also machst du weiter.

Tag für Tag.

Woche für Woche.

Jahr für Jahr.

Du stehst auf, auch wenn du nicht mehr kannst.

Du funktionierst, auch wenn du nichts mehr fühlst.

Du sagst „Ja, gut. Muss halt.“

Und merkst gar nicht mehr, dass das nicht normal ist.

Wenn dein Körper anfängt zu sprechen

Du kannst eine Weile so weitermachen.

Monate. Vielleicht Jahre.

Aber irgendwann meldet sich dein Körper:

  • Morgens schon erschöpft, egal wie lang du geschlafen hast
  • Ständig angespannt (Nacken, Kiefer, Schultern wie Beton)
  • Bei Kleinigkeiten explodierst du
  • Vergesslich, Konzentration futsch
  • Nichts macht mehr Freude
  • Du funktionierst nur noch, fühlst aber nichts mehr

Das ist nicht „ein bisschen Stress“.

Das ist dein Körper, der schreit: „ICH KANN NICHT MEHR!“

Aber du?

Du machst weiter.

Weil „muss halt.“

Die Lüge, die wir uns erzählen

„So ist das eben.“

„Das Leben ist halt kein Ponyhof.“

„Man muss da durch.“

„Anderen geht’s genauso.“

Diese Sätze sind Gift.

Weil sie normal machen, was nicht normal ist.

Weil sie dich glauben machen, dass du keine Wahl hast.

Weil sie dich in der Falle halten.

Aber weißt du was?

Du hast eine Wahl.

Vielleicht nicht über alles.

Vielleicht nicht sofort.

Aber du hast eine Wahl, wie du mit dir selbst umgehst.

Was niemand dir sagt

Du darfst ehrlich sein.

Du darfst sagen: „Mir geht’s nicht gut.“

Du darfst aufhören zu funktionieren.

Du darfst Hilfe brauchen.

Du darfst weniger schaffen.

Du darfst Pausen machen, die länger sind als fünf Minuten.

Du darfst mehr sein als „Muss halt.“

Dein Leben darf mehr sein als Durchhalten.

Deine Tage dürfen mehr sein als Funktionieren.

Du darfst mehr fühlen als „Es geht.“

Der erste Schritt

Du musst nicht sofort alles ändern.

Du musst nicht dein ganzes Leben umkrempeln.

Aber du musst anfangen, ehrlich zu sein.

Zuerst mit dir selbst.

Stell dir diese Fragen:

1. Wie geht es mir wirklich?

Nicht was du sagst. Sondern was du fühlst.

Wenn niemand zuhört. Wenn du ganz ehrlich bist.

Wie geht es dir wirklich?

2. Seit wann sage ich nur noch „Es geht“?

Wann war das letzte Mal „gut“ mehr als eine Höflichkeitsfloskel?

Wann hast du dich das letzte Mal wirklich lebendig gefühlt?

3. Was würde ich sagen, wenn ich ehrlich wäre?

Wenn die Frage „Wie geht’s dir?“ wirklich ernst gemeint wäre.

Wenn du keine Angst hättest vor der Antwort.

Was würdest du sagen?

Was dein Körper jetzt braucht

Nicht noch mehr Durchhalten.

Nicht noch mehr „Muss halt.“

Nicht noch mehr Funktionieren.

Sondern:

  • Inne halten. Einfach mal aufhören.
  • Atmen. Bewusst. Tief. Wirklich spüren.
  • Fühlen. Was ist da, wenn du nicht funktionierst?
  • Ehrlich sein. Zu dir selbst. Über dein „Es geht.“
  • Grenzen setzen. Auch wenn andere enttäuscht sind.

Das fühlt sich falsch an.

Egoistisch. Schwach. Unnötig.

Aber es ist Selbstschutz.

Es ist der Unterschied zwischen überleben und leben.

Du bist nicht allein

Millionen Menschen sagen das jeden Tag:

„Ja, gut. Muss halt.“

Und meinen:

„Ich bin erschöpft, aber ich darf nicht aufhören.“

„Ich fühle nichts mehr, aber ich muss weitermachen.“

„Ich weiß nicht, wie lange ich das noch schaffe.“

Das ist die stille Epidemie unserer Zeit.

Aber niemand spricht darüber.

Weil wir alle denken, wir sind die Einzigen.

Weil wir alle funktionieren.

Weil „Muss halt“ gesellschaftlich akzeptiert ist.

Aber akzeptiert ist nicht dasselbe wie gesund.

Die unbequeme Wahrheit

„Muss halt“ ist keine Stärke.

„Durchhalten“ ist keine Tugend.

„Funktionieren“ ist kein Lebensziel.

Stark ist, wer aufhört.

Stark ist, wer zugibt: „Es geht mir nicht gut.“

Stark ist, wer sich erlaubt, nicht mehr nur durchzuhalten, sondern zu leben.

Was jetzt möglich ist

Stell dir vor, du würdest beim nächsten Mal sagen:

„Ehrlich? Ich bin ziemlich erschöpft gerade.“

„Mir geht’s nicht so gut, wenn ich ehrlich bin.“

„Ich weiß nicht, wie lange ich das noch durchhalte.“

Wie würde sich das anfühlen?

Vermutlich komisch. Verletzlich. Vielleicht sogar falsch.

Aber weißt du was?

Es wäre echt.

Es wäre ehrlich.

Es wäre der erste Schritt raus aus dem „Muss halt.“

Die Einladung

Das nächste Mal, wenn dich jemand fragt: „Wie geht’s dir?“

Halt kurz inne.

Atme.

Und dann frag dich:

„Wie geht es mir wirklich?“

Nicht was du immer sagst.

Sondern was wahr ist.

Du musst es nicht laut sagen.

Nicht jedem. Nicht sofort.

Aber du darfst es dir selbst eingestehen.

Das ist der Anfang.


Du bist mehr als „Muss halt.“ Dein Leben ist mehr als Durchhalten. Es ist Zeit, aufzuhören zu funktionieren und anzufangen zu spüren.


💚 Impuls to go

Eine Minute für dich – jetzt:

Leg dein Handy weg. Atme.

Stell dir selbst die Frage: „Wie geht es mir wirklich?“

Und dann:

Atme ein: „Ich darf ehrlich sein.“

Atme aus: „Auch wenn es schwer ist.“

Drei Atemzüge, ohne Antwort zu erzwingen. Einfach nur die Frage zulassen.

Das ist der Anfang.